Ärztliches Attest: Arten, Aussteller und Unterschied zur AU
Ärztliche Atteste stellen wir nicht aus. Diese Seite erklärt, was ein ärztliches Attest ist, in welchen Situationen Arbeitgeber, Kita, Schule oder Krankenkasse eines verlangen, wer es ausstellt und wer die Kosten trägt. Außerdem geht es um den Unterschied zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und um Bescheinigungen, die im Internet ohne Kontakt zu einem Arzt verkauft werden.
Was ein ärztliches Attest ist
Ein Attest ist eine schriftliche ärztliche Aussage über den Gesundheitszustand eines Menschen, etwa darüber, ob jemand arbeiten, am Sport teilnehmen oder eine Einrichtung besuchen kann. In Gesetzen heißt es zum Beispiel „ärztliches Zeugnis“ (§ 9 Bundesurlaubsgesetz) oder „ärztliche Bescheinigung“ (§ 5 Entgeltfortzahlungsgesetz), im Strafgesetzbuch „Gesundheitszeugnis“. Für einige Bescheinigungen schreibt die Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie (AU-Richtlinie) einen Vordruck vor, etwa für die Arbeitsunfähigkeit und für die Betreuung eines kranken Kindes (Muster 21).
Für jedes Attest gilt dieselbe berufsrechtliche Grundregel: Nach § 25 der Musterberufsordnung der Bundesärztekammer (MBO-Ä) gehen Ärzte bei Gutachten und Zeugnissen mit der notwendigen Sorgfalt vor und sprechen nach bestem Wissen ihre ärztliche Überzeugung aus. Rechtswirkung bekommt die Musterberufsordnung, wenn die Ärztekammer eines Landes sie als Satzung beschließt und die Aufsicht sie genehmigt.
Wofür ein Attest verlangt wird
Welche Bescheinigung Sie brauchen, hängt vom Zweck ab. Für einige häufige Anlässe ist rechtlich geregelt, was vorliegen muss. Bei Kita und Schule spricht § 34 Infektionsschutzgesetz von einem ärztlichen Urteil; ob die Einrichtung dafür eine schriftliche Bestätigung verlangt, erfragen Sie dort.
| Anlass | Was vorliegen muss | Grundlage |
|---|---|---|
| Arbeitsunfähigkeit, Nachweis gegenüber dem Arbeitgeber | Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung; bei gesetzlich Versicherten ruft der Arbeitgeber die Daten bei der Krankenkasse ab | § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz, AU-Richtlinie |
| Erkrankung während des Urlaubs | ärztliches Zeugnis über die Tage der Arbeitsunfähigkeit, die dann nicht auf den Jahresurlaub angerechnet werden | § 9 Bundesurlaubsgesetz |
| Betreuung eines kranken Kindes | Bescheinigung auf Muster 21 für Arbeitgeber und Krankenkasse (Kinderkrankengeld) | § 45 SGB V, § 3 AU-Richtlinie |
| Gefährdung von Mutter oder Kind bei Fortdauer der Beschäftigung in der Schwangerschaft | ärztliches Zeugnis; soweit die Gefährdung reicht, darf der Arbeitgeber die Frau nicht beschäftigen | § 16 Mutterschutzgesetz |
| Rückkehr in Kita oder Schule nach bestimmten Infektionen, etwa Masern, Windpocken, Scharlach oder Krätze | ärztliches Urteil, dass eine Weiterverbreitung nicht mehr zu befürchten ist | § 34 Infektionsschutzgesetz |
Attest und AU-Bescheinigung: der Unterschied
Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist eine besonders geregelte Bescheinigung. Sie wird auf einem vorgeschriebenen Vordruck ausgestellt, nennt die Diagnosen, die die Arbeitsunfähigkeit begründen, und darf in der gesetzlichen Krankenversicherung nur von Vertragsärzten, ihrer persönlichen Vertretung und in bestimmten Fällen nach der Entlassung aus Krankenhaus oder Reha ausgestellt werden (§ 5 Abs. 1 AU-Richtlinie). Die Feststellung setzt eine ärztliche Untersuchung voraus: in der Praxis, per Video oder unter engen Voraussetzungen nach telefonischer Anamnese (§ 4 Abs. 5 und 5a).
Ein Attest im weiteren Sinn beantwortet dagegen eine Frage, die eine andere Stelle stellt, zum Beispiel ob ein Kind wieder in die Kita darf oder ob jemand vom Schulsport befreit werden sollte. Was darin steht, richtet sich nach diesem Zweck. Wer krankheitsbedingt nicht arbeiten kann, braucht gegenüber dem Arbeitgeber die AU-Bescheinigung; Regeln und Fristen dazu stehen im Beitrag zur Krankmeldung. Wer vor dem bescheinigten Ende wieder arbeiten möchte, findet Hinweise im Beitrag Arbeiten trotz Krankschreibung.
Wer ein Attest ausstellt
Ausstellen kann ein Attest grundsätzlich jeder Arzt; meist ist es die Praxis, die Sie wegen der betreffenden Beschwerden behandelt und den Verlauf kennt. Bescheinigen kann ein Arzt nur, wovon er sich nach bestem Wissen überzeugt hat, so verlangt es § 25 MBO-Ä. Dieselbe Vorschrift verpflichtet zur Abgabe in angemessener Frist, wenn ein Arzt zur Ausstellung verpflichtet ist oder sie übernommen hat. Ein Anspruch auf jedes gewünschte Attest ergibt sich daraus nicht.
Ob ein Attest ohne persönliche Untersuchung möglich ist, hängt vom Einzelfall ab. Nach § 7 Abs. 4 MBO-Ä beraten und behandeln Ärzte im persönlichen Kontakt und können Kommunikationsmedien unterstützend einsetzen. Eine ausschließliche Behandlung aus der Ferne ist im Einzelfall erlaubt, wenn sie ärztlich vertretbar ist, die erforderliche Sorgfalt gewahrt bleibt und Sie über die Besonderheiten aufgeklärt werden.
Wer die Kosten trägt
Zur Versorgung über die gesetzliche Krankenkasse gehören nach § 73 Abs. 2 Satz 1 Nr. 9 SGB V Bescheinigungen und Berichte, die Krankenkasse oder Medizinischer Dienst für ihre gesetzlichen Aufgaben brauchen, und solche, die Versicherte für die Entgeltfortzahlung benötigen. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gehört dazu; sie ist nach derselben Vorschrift auch dann auszustellen, wenn die Daten elektronisch übermittelt werden.
Atteste für andere Zwecke, etwa für einen Sportverein oder eine private Versicherung, fallen nicht darunter. Die Praxis kann sie privat nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) berechnen. Deren Gebührenverzeichnis enthält dafür unter anderem die Nummer 70 (kurze Bescheinigung oder kurzes Zeugnis), die Nummer 75 (ausführlicher schriftlicher Krankheits- und Befundbericht) und die Nummer 80 (schriftliche gutachtliche Äußerung). Fällig wird das Honorar, wenn Sie eine Rechnung erhalten, die den Vorgaben der GOÄ entspricht (§ 12 GOÄ). Fragen Sie vor der Ausstellung, mit welchen Kosten Sie rechnen müssen.
Bescheinigungen aus dem Internet: was Gerichte entschieden haben
Im Internet werden Bescheinigungen angeboten, die nach dem Ausfüllen eines Formulars ohne jeden Kontakt zu einem Arzt entstehen. Das Bundesarbeitsgericht hat am 14.12.2023 (2 AZR 55/23) die fristlose Kündigung einer Pflegehelferin bestätigt, die ihrem Arbeitgeber eine solche Bescheinigung über eine vorläufige Impfunfähigkeit vorgelegt hatte. Sie hatte das Dokument gegen eine Gebühr selbst erzeugt; mit der angeblichen Ärztin, deren Unterschrift aufgedruckt war, hatte sie keinen Kontakt. Maßgeblich war der Vertrauensbruch, unabhängig davon, ob sie sich selbst für impfunfähig hielt.
Zu einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die ein Arbeitnehmer nach einem Online-Fragebogen ohne Arztkontakt gekauft hatte, kam das Landesarbeitsgericht Hamm am 05.09.2025 (14 SLa 145/25) zum selben Ergebnis: Die fristlose Kündigung war wirksam, weil er damit wahrheitswidrig einen Arztkontakt vorgab. Strafbar ist außerdem, als Arzt zur Täuschung im Rechtsverkehr ein unrichtiges Zeugnis über den Gesundheitszustand auszustellen (§ 278 StGB) oder ein solches Zeugnis zu diesem Zweck zu gebrauchen (§ 279 StGB). Mehr zur Krankschreibung über das Internet steht auf der Seite zur Online-Krankschreibung.
Was in einem Attest stehen sollte
Fragen Sie bei der Stelle, die das Attest verlangt, vorher nach, welche Angaben sie braucht, zum Beispiel einen Zeitraum, eine Aussage zur Belastbarkeit oder die Bestätigung, dass keine Ansteckungsgefahr mehr besteht. Je genauer die Frage, desto eher passt das Attest beim ersten Mal. Eine Diagnose gehört nicht automatisch hinein. Ärzte unterliegen der Schweigepflicht und dürfen Informationen nach § 9 MBO-Ä unter anderem dann offenbaren, wenn Sie sie davon entbinden; besprechen Sie deshalb mit der Praxis, was das Attest enthalten soll.
Was kostet ein ärztliches Attest?
Gehört die Bescheinigung zur Kassenversorgung, wie die AU-Bescheinigung, zahlen gesetzlich Versicherte sie nicht selbst. Andere Atteste berechnet die Praxis nach der GOÄ. Die Höhe hängt vom Umfang ab, etwa ob es eine kurze Bescheinigung (Nummer 70) oder ein ausführlicher Bericht (Nummer 75) ist, und vom Steigerungssatz, den die Praxis ansetzt. Einen einheitlichen Betrag gibt es deshalb nicht.
Ist ein Attest dasselbe wie eine Krankschreibung?
Nein. Die Krankschreibung ist die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung mit eigenem Vordruck und festen Regeln aus der AU-Richtlinie. Ein Attest im allgemeinen Sinn bescheinigt etwas anderes, etwa die Befreiung vom Schulsport oder die Rückkehr in die Kita, und sein Inhalt richtet sich nach dem Zweck.
Darf mein Arbeitgeber ab dem ersten Krankheitstag ein Attest verlangen?
Er darf die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung früher verlangen als nach drei Kalendertagen, auch schon vom ersten Tag an (§ 5 Abs. 1 Satz 3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Gesetzlich Versicherte lassen die Arbeitsunfähigkeit dann ab diesem Zeitpunkt ärztlich feststellen, und der Arbeitgeber ruft die Daten bei der Krankenkasse ab.
Wie lange ist ein ärztliches Attest gültig?
Eine einheitliche Gültigkeitsdauer gibt es nicht; maßgeblich ist, was die Stelle verlangt, die das Attest anfordert. Für einzelne Bescheinigungen setzt das Gesetz selbst eine Frist: Die Bescheinigung über die Belehrung nach § 43 Infektionsschutzgesetz darf bei Aufnahme der Tätigkeit höchstens drei Monate alt sein, ist aber selbst kein ärztliches Attest.
Ist das Gesundheitszeugnis für die Gastronomie ein ärztliches Attest?
Nein. Wer erstmals gewerbsmäßig in der Küche einer Gaststätte oder mit bestimmten Lebensmitteln wie Fleisch, Milch, Fisch oder Speiseeis arbeitet, braucht eine Bescheinigung des Gesundheitsamts oder eines von ihm beauftragten Arztes. Sie bestätigt eine Belehrung über Tätigkeitsverbote und Ihre Erklärung in Textform, dass Ihnen keine Hinderungsgründe bekannt sind (§ 43 Abs. 1 Infektionsschutzgesetz). Ein ärztliches Zeugnis ist nur nötig, wenn Anhaltspunkte für solche Hinderungsgründe bestehen.
Bekomme ich ein Attest auch online?
Über diese Website nicht. Eine Behandlung ausschließlich aus der Ferne erlaubt die Musterberufsordnung nur im Einzelfall, wenn sie ärztlich vertretbar ist. Für die Krankschreibung legt die AU-Richtlinie die zulässigen Wege fest, und Bescheinigungen, die ohne Arztkontakt nach einem Formular entstehen, haben vor Gericht bereits zu wirksamen fristlosen Kündigungen geführt. Sind Sie akut erkrankt und Ihre Praxis ist geschlossen, erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, bei Lebensgefahr den Notruf 112.
Medizinisch geprüft vom Arzt Damian Wojno (polnische Approbation, Nr. 3211301).
- Musterberufsordnung der Bundesärztekammer (MBO-Ä), Fassung vom 13. Mai 2026, §§ 7, 9 und 25 (PDF)
- § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz: Anzeige- und Nachweispflichten (gesetze-im-internet.de)
- § 73 SGB V: Kassenärztliche Versorgung, Absatz 2 Nr. 9 Bescheinigungen (gesetze-im-internet.de)
- Gebührenverzeichnis der Gebührenordnung für Ärzte, Abschnitt VI Berichte, Briefe (gesetze-im-internet.de)
- Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, in Kraft seit 21.02.2024 (G-BA, PDF)
- Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.12.2023, 2 AZR 55/23: Täuschung über die vorläufige Impfunfähigkeit
- § 43 Infektionsschutzgesetz: Belehrung, Bescheinigung des Gesundheitsamtes (gesetze-im-internet.de)
- Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 05.09.2025, 14 SLa 145/25 (Justiz NRW)